Menschen, die wohnungslos sind, von Wohnungslosigkeit bedroht oder von verdeckter Wohnungslosigkeit betroffen sind, begegnen uns täglich beim Gang durch unsere Stadt. Noch immer ist es in Deutschland nicht jedem Menschen möglich, ein eigenes zu Hause zu haben, was ein Gefühl von Sicherheit, Selbstbestimmung und -verwirklichung ermöglicht. Wohnungslosigkeit ist eine der schlimmsten Formen von Armut, befeuert durch Mangel an bezahlbarem Wohnraum.

Am 11. September 2025 findet der Tag der wohnungslosen Menschen statt. Mit dem Aktionstag unter dem Motto „Politik in die Pflicht nehmen – Wohnungsnot beenden“ macht die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e. V. (BAG-W) erneut auf Aufgaben an Politik und Gesellschaft zur Bekämpfung von Wohnungsnot und Wohnungslosigkeit aufmerksam. Weitere Informationen zur Arbeit der BAG-W und dem Aktionstag finden Sie unter: https://www.bagw.de/de/nationale-strategie/aktionsseite-zum-tag-der-wohnungslosen-menschen-2025/uebersicht

Zum Stichtag 31. Januar 2025 waren gemäß Statistischem Bundesamt in Deutschland nach den Meldungen von Kommunen und Einrichtungen rund 474 700 Personen wegen Wohnungslosigkeit untergebracht. Damit hat sich die Zahl um weitere 8% gegenüber dem Vorjahr erhöht (2024: 439 500). Die Statistik erfasst allerdings nur einen Teil von Wohnungslosigkeit betroffener Personen – nämlich diejenigen, die in überlassenem Wohnraum, Sammelunterkünften oder Einrichtungen für wohnungslose Menschen in der Nacht vom 31. Januar auf den 01. Februar 2025 untergebracht waren. Nach aktuellen Zahlen der Bundesregierung waren Anfang 2024 rund 531.600 Menschen wohnungslos, darunter ein Viertel Minderjährige. Frauen sind besonders gefährdet, häufig verdeckt wohnungslos oder Gewalt ausgesetzt. Laut Wohnungslosenbericht der Bundesregierung haben fast 27 Prozent der wohnungslosen Frauen sexuelle Gewalt erlebt, 10 Prozent berichten von Zwangsprostitution.

In eine Befragung zur Wohnungslosenberichterstattung 2024 wurden auch Menschen eingeschlossen, die im Berichtszeitraum von verdeckter Wohnungs- oder Obdachlosigkeit betroffen waren (Wohnungslosenbericht der Bundesregierung 2024, online abrufbar unter: https://www.bmwsb.bund.de/SharedDocs/pressemitteilungen/DE/2025/01/Wohnungslosenbericht.html). Nach Angaben Befragter waren 29% der verdeckt Wohnungslosen und 42% der Wohnungslosen ohne Unterkunft suchterkrankt. Fasst man Angaben zu Abhängigkeits- und psychischen Erkrankungen zusammen, ist davon auszugehen, dass rund die Hälfte von Wohnungslosigkeit betroffener Personen chronisch psychisch krank sind. Wohnungslosigkeit trägt demnach nicht nur zu weiterer Armut, sondern auch langfristigen gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei. Entsprechend gibt es national wie regional politische Bemühungen zur Überwindung von Wohnungs- und Obdachlosigkeit.

So versteht z. B. die Bundesregierung mit dem Nationalen Aktionsplan die Bekämpfung von Wohnungslosigkeit bis zum Jahr 2030 als eine ressort- und akteursübergreifende Gemeinschaftsaufgabe sowie sozialstaatlichen Pflichtauftrag. Weitere Informationen zum Nationalen Aktionsplan erhalten Sie über den folgenden Link: https://www.bmwsb.bund.de/DE/wohnen/wohnungsmarkt/nationaler-aktionsplan-gegen-wohnungslosigkeit/nationaler-aktionsplan-gegen-wohnungslosigkeit_node.html

Mit der Landesinitiative „Endlich ein ZUHAUSE!“, die vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Nordrhein-Westfalen initiiert wurde, wurden zentrale Bausteine zur Verhinderung der Wohnungslosigkeit festgelegt. Angesichts nachgewiesener Zusammenhänge zwischen Wohnungslosigkeit und Sucht ist ein Baustein der Initiative ein Förderprogramm zur Stärkung der Suchtberatung wohnungsloser Menschen, welches durch die Landesfachstelle berufliche und soziale Integration der Suchtkooperation NRW koordiniert wird. Weitere Informationen finden Sie unter: https://www.mags.nrw/endlich-ein-zuhause

Trotz der vielen guten politischen Ansätze und der engagierten Arbeit verschiedener Hilfesysteme fehlt es noch immer – und bisher immer mehr – an bezahlbarem Wohnraum. Auch präventive Angebote zur Verhinderung von Wohnraumverlusten sowie niedrigschwellige begleitende und insbesondere langfristige Hilfen sind weiterhin dringend notwendig, um Menschen auf dem Weg raus aus der Wohnungslosigkeit zu begleiten und weiter steigende Zahlen betroffener Personen zu verhindern.